Flugsportring Kraichgau e.V. SinsHEIM

mehr als nur Flugsport!

 

„Es dauerte Stunden, ja sogar Tage, bis ich den Kunstflug von einer Viertelstunde verdaut hatte. Dann aber wusste ich genau: Die Turnerei am Himmel – das ist mein Fall!“ So beschreibt der Autor Peter Elgaß in Eric Müllers Buch „Upside Down – Faszination und Technik des Kunstfluges“ sein erstes Erlebnis an Bord einer Kunstflugmaschine.

Was jedoch ist so faszinierend an dieser Art des Fliegens? Oder sind Kunstflugpiloten nur verrückte und lebensmüde Zeitgenossen, die den „Kick“ suchen? Um es vorweg zunehmen: Nein! Kunstflug erfordert in erster Linie ein hohes Maß an Disziplin! Die Faszination dieses Sports beginnt an einer ganz anderer Stelle, nämlich dem Ziel, ein Flugzeug in jeder Lage am Himmel zu beherrschen und die zur Verfügung stehende 3. Dimension entsprechend zu nutzen. Wie bei anderen Sportarten auch ist ausgiebiges, langes Training die Grundvoraussetzung hierfür.

Häufig hört man von Passagieren, welche einmal einen Segelkunstflug erleben möchten, die Frage nach der G-Belastung oder Belastbarkeit des Flugzeugs. Die Segelkunstflugzeuge der heutigen Zeit sind teilweise für Belastungen von +10g und -7,5g (Einzelstücke sogar darüber) zugelassen. Im Vergleich hierzu ist der Eurofighter mit +9g und -3g geradezu zerbrechlich! Bei einer Belastung von 10g „wiegt“ ein Mensch mit 80kg Körpergewicht 800kg. Aber selbst „normale“ Segelkunsflugzeuge haben mindestens eine Belastbarkeit von +7g und -5g und erreichen dabei spielend Geschwindigkeiten von ca. 300km/h. Bei Passagierkunstflügen wird eine solche Belastung jedoch von den Piloten bewusst vermieden, da die Passagiere nicht an solche Belastungen gewohnt sind. Gerne hört man auch den Vergleich mit Fahrgeschäften in Vergnügungsparks. Dort stehen dann große Werbeschilder mit angeblichen Belastungen von 4g oder mehr. Aber es ist nicht nur die reine Höhe der Belastung, sondern auch deren Einwirkdauer, welche sich auf den Körper auswirkt. So werden aus umworbenen 4g schnell nur „gefühlte“ 1,5g. Erst durch bewusstes Training, Atemtechniken und zunehmender Erfahrung, lernt ein Kunstflugpilot auch mit höheren Belastungen zurechtzukommen. Für Untrainierte besteht ab ca. 4,5g die Gefahr des sog. „Blackouts“, dem Verlust des Bewusstseins.

Das Ziel eines Kunstflugpiloten besteht jedoch nicht darin, möglichst lange hohe G-Belastungen zu erreichen, sondern die Figuren so exakt und harmonisch wie möglich an den Himmel zu zeichnen. Bei Wettbewerben wird auch genau dies bewertet, ähnlich einer Benotung im Eiskunstlauf. Soll eine senkrechte Linie nach unten geflogen werden, gibt es für jede Winkelabweichung einen Punktabzug, wird eine Figur falsch geflogen, oder ist ein Looping nicht rund natürlich ebenso. Zusätzlich muss das gesamte zu fliegende Programm innerhalb eines imaginären Würfels mit 1000m Kantenlänge gezaubert werden, der „Box“. Jede Sekunde, welche außerhalb der Box verbracht wird, gibt natürlich ebenfalls Punktabzug. Für Kunstflieger gibt es also eine Menge zu tun im Cockpit, um nicht den Überblick zu verlieren. Dieses Erlebnis im Medium Luft, sich frei darin zu bewegen, mit dem Flugzeug eine „Verbindung“ einzugehen und Grenzen zu erfahren, sie jedoch niemals zu überschreiten übt diese lautlose Faszination aus.

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