Flugsportring Kraichgau e.V. SinsHEIM

mehr als nur Flugsport!

 

Ich wollte schon immer einmal die Welt aus der Vogelperspektive betrachten. Nun habe ich eine Sportart kennengelernt, die dem Vogelflug am nächsten kommt - das Segelfliegen.
Während meiner Internetrecherche bin ich auf die Homepage des Flugsportrings Kraichgau (FSR) gestoßen. Der FSR bietet neben der normalen Mitgliedschaft eine sogenannte Schnuppermitgliedschaft. Mit dieser kann man ein Jahr den Verein und den Flugsport kennenlernen. Mein erster Gedanke war „nichts wie hin“.
Die nächsten Schritte lassen sich wie folgt zusammenfassen: nettes Telefonat, Flugplatz besichtigt, Infos über die Flugausbildung erhalten, Probeflug gemacht, Schnuppermitglied im Verein geworden.
Nach zwei Wochen erhielt ich die Bestätigung vom Flugverband. Nun durfte ich die Flugausbildung beginnen.
Der erste Tag als Flugschüler begann an einem Sonntagmorgen um 9:00 Uhr. Für den Flugtag wurden die Flugzeuge aus dem Hangar auf den Flugplatz transportiert.
Wie vor jedem Flugbetrieb prüften wir den Zustand sowie die Funktionalität aller Flugzeuge. Dabei ist die wichtigste Regel: Sicherheit geht vor.
Ist das Flugzeug unbeschädigt? Sind alle Schrauben und Drähte befestigt? Funktionieren die Ruder? Ist ein Fallschirm vorhanden? All diese Punkte sind bei jedem Flugzeug zu überprüfen.
Sobald alle Flugzeuge geprüft waren ging es los. Spätestens beim Start des Flugbetriebs wird einem klar, dass für den Segelflugsport viele Helfer benötigt werden. Unter anderem muss der Flugbetrieb dokumentiert, der Funk und Luftraum überwacht, die Winde bedient, die Windenseile eingeholt und die gelandete Flugzeuge zurück auf die Startbahn gebracht werden. Weiter benötigt man Fluglehrer sowie Helfer für den Flugzeugstart. Somit ist der Segelflugsport echte Teamarbeit.
Und dann war es soweit. Ich durfte meinen ersten Flug als Flugschüler absolvieren.
Die Flugausbildung findet in einem Doppelsitzer statt. Ich als Flugschüler saß vorne und mein Fluglehrer Benjamin hinter mir im Cockpit.
Vor dem Start führte Benjamin den Startcheck durch: „Richtig angeschnallt, Fallschirm vorhanden und eingehängt, Instrumente gehen, Ruder gehen, Windrichtung geprüft, Luftraum frei“ - Und los geht’s.
Das Windenseil wurde gespannt. Das Segelflugzeug bewegte sich und nahm an Geschwindigkeit zu. Die Luft sauste am Cockpit vorbei. Die hohe Geschwindigkeit konnte man buchstäblich fühlen. Mein Herz begann schneller zu schlagen. Innerhalb weniger Sekunden verließen wir den Boden. Das Flugzeug begann zu steigen. Der Druck auf den Ohren nahm zu. Mehrere hundert Meter über dem Boden wurde das Windenseil ausgehängt. Wir flogen.
Segelflugzeuge haben keinen Motor. Sie sind auf warme nach oben steigende Luft (sogenannte Thermik) angewiesen um an Höhe zu gewinnen. Daher suchte Benjamin unmittelbar nach dem Start nach Thermik in der Luft. Und er fand sie. Kreise ziehend stiegen wir immer höher.
Hoch oben über dem Boden kam ein Gefühl von Freiheit in mir auf. Die Gedanken des Alltags schienen auf dem Boden zurück geblieben zu sein. Umso höher wir waren desto wunderbarer wurde die Aussicht. Man konnte kilometerweit über die Landschaft blicken. „So muss sich also ein Vogel beim Fliegen fühlen“, dachte ich mir.
Apropos Vogel. Während eines Segelflugs ist es durchaus möglich, dass tierische Flugbegleiter auftauchen. Bei meinen bisherigen Flügen begleiteten mich bereits Greifvögel und Störche.
Die ersten Flugminuten genoss ich als Passagier während dessen Benjamin uns immer höher in die Luft brachte. Dann war es soweit. Ich durfte das erste Mal das Flugzeug eigenständig steuern. Und ich stellte fest, es gar nicht so einfach die Fluginstrumente, den Horizont, den Luftraum und die Flugrichtung gleichzeitig im Blick zu behalten. Nichts desto trotz macht es unglaublich viel Spaß selbst zu fliegen.
Nach einigen Flugminuten übernahm Benjamin wieder die Steuerung. Unsere Landung stand bevor. Über Funkt informierten wir den Flugleiter. Den Landeanflug leitete Benjamin wenige hundert Meter über der Stadt ein.
Mit einer Rechtskurve waren wir im direkten Anflug auf die Landebahn. Sobald die Bremsklappen betätigt wurden sanken wir schneller. Kurz vor der Landung herrschte vollkommene Stille im Cockpit. Das Flugzeug glitt wenige Zentimeter über dem Boden. Dann setzten wir auf der Landebahn auf. Wir wurden sehr schnell abbremst, sodass das Flugzeug nach wenigen Metern zum Stehen kamen. Glücklich stieg ich aus dem Cockpit. Der erste Flug war gemeistert.
Bisher habe ich zehn Segelflüge erleben dürfen. Mein Fazit lautet:
Segelfliegen macht unglaublich viel Spaß. Für mich ist das Fliegen ein Gefühl von Freiheit, dass ich bisher in noch keiner anderen Sportart erleben konnte.
Neben dem Fliegen schätze ich vor allem die Hilfsbereitschaft der Vereinsmitglieder sowie der Flugausbilder bei dem FSR Kraichgau.
Falls auch du Interesse an Segelfliegen hast kann ich dir nur raten: Vorbeikommen, Anschauen und Mitmachen.

Text: Robert Schilling

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