Flugsportring Kraichgau e.V. SinsHEIM

mehr als nur Flugsport!

 

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Eigentlich hatte ich nicht mehr damit gerechnet, in 2018 meinen Flieger nochmal aus dem Hänger zu ziehen. Am Freitag 16.11. las ich allerdings die Nachricht von Michael in unserer WhatsApp-Gruppe, dass er am nächsten Tag zum Wellenfliegen geht und fragt wer noch mitkommt. Der Wind soll stark aus Osten wehen und am Königsstuhl eine Welle erzeugen. Da ich endlich mal wieder einen freien Samstag habe und eh schon immer mal in der Welle fliegen wollte, sage ich kurzerhand zu, mitzukommen. Die Nachfrage nach einem F-Schlepp-Pilot blieb leider unbeantwortet, aber da wird sich sicher jemand finden. Also schnell noch die Akkus ans Ladegerät und ab ins Bett, um am nächsten Tag ausgeruht zu sein.

Am nächsten Morgen ist der Wind bei uns am Boden noch recht schwach. Beim Blick auf glidertracker.de ist jedoch zu sehen, dass die ersten schon in der Luft sind und über Heidelberg stetig an Höhe gewinnen. Deshalb packe ich zügig alles zusammen und mache mich auf den Weg zum Flugplatz. Michael ist schon da und baut gerade seinen Flieger auf, als ich ankomme. Auch Jannik ist da und ganz heiß auf fliegen, findet aber niemand, der ihn mitnimmt. Da ich bisher noch nie in der Welle geflogen bin möchte ich nicht auf einen Motor im Rücken verzichten und muss Jannik deshalb eine Absage erteilen. Sorry Jannik, beim nächsten Mal nehme ich dich mit, versprochen! Glücklicherweise erklärt sich Gerd bereit zu schleppen, Dieter schnappt sich das Funkgerät und macht Flugleiter, einem Flug steht demnach nichts mehr im Weg. Schnell den Flieger aufgebaut und gecheckt, kurze Absprache mit Michael und einige Tipps von Gerd und ich sitze im Flieger. Der Wind hat mittlerweile auch deutlich aufgefrischt und steht leicht schräg zur Bahn. Geplant war, dass Michael im Eigenstart vor mir rausgeht und wir uns dann in der Welle wieder treffen und gemeinsam fliegen, aber der Motor in Michaels Flieger mag nicht anspringen. Demnach muss ich wohl doch alleine mein Glück versuchen, so war das nicht geplant. Der Start verläuft erstaunlich unspektakulär, dass hätte ich mir bei dem starken Wind anders vorgestellt. Auch die Steiggeschwindigkeit ist im Vergleich zu den Flügen im Sommer deutlich besser und wir haben am Platzende schon ordentlich Höhe, als wir gen Westen abdrehen in Richtung Heidelberg, wo die Anderen immer noch Steigen haben. Dann kommt jedoch eine Zone, wo es die Jodel vor mir und mich gut durchschüttelt. Oh je, worauf habe ich mich da eingelassen. Aber einige Meter höher ist es wieder deutlich ruhiger und dank dem starken Rückenwind geht es zügig über Heidelberg. Vor dem Start hatte Gerd noch prognostiziert, dass der Einstieg über dem Bahnhof zu finden sein wird und genau dort fängt die Nadel des Varios auch an sich nach oben zu bewegen. Nach dem Ausklinken steigt es einfach weiter, so als ob ich noch am Seil der Schleppmaschine hängen würde. Mit 1,5 m/s trägt mich die Welle nach oben und der Endanflugrechner zeigt schon bald wieder positive Werte auf Sinsheim an.

Ich hatte mich schon oft mit dem Wellenfliegen beschäftigt, diverse Artikel und Bücher zu dem Thema gelesen, Videos im Internet angeschaut und mir ausgemalt wie es sein muss, im laminaren Aufwind zu steigen. Es dann aber selbst zu erleben ist doch nochmal etwas anderes. Der Wind ist mit 60 km/h recht kräftig, so dass ich aufpassen muss nicht zu weit nach Westen abgetrieben zu werden. In Schlangenlinien gegen den Wind geht es kontinuierlich aufwärts und es ist erstaunlich ruhig im Cockpit. Bei den Flügen in der Thermik ist die Luft immer unruhig und man muss ständig korrigieren, ganz anders im laminaren Steigen einer Welle. Um mich rum sind noch einige andere unterwegs und die Sicht ist auch nicht die Beste, deshalb muss ich aufpassen nicht mit den anderen zu kollidieren. Einige kommen aus Süden, die haben bestimmt den Sprung aus dem Schwarzwald an den Königstuhl gewagt. Ich bin mittlerweile auf fast 3000m über dem Meer angekommen, höher will und darf ich nicht. Aus dieser Höhe sieht die Region nochmal anders aus als bei den Thermikflügen ein Stockwerk tiefer. Beim Blick entlang der Bergstraße in Richtung Norden kann man am Horizont ganz deutlich Darmstadt erkennen, in Richtung Osten versinkt alles im Dunst, nur die Kraftwerkstürme von Heilbronn sind durch die Rauchschwaden markiert. Im Süden lugt die Hornisgrinde aus den Wolken und ruft förmlich nach mir, doch in den Süden zu fliegen und die Wellen im Schwarzwald zu testen und einige Streckenkilometer zu machen. Doch ich traue mich nicht, da ich nicht so recht weiß wo sich die Einstiegspunkte für die Wellen dort befinden. Deshalb beschließe ich, im Bereich der Bergstraße zu bleiben und die Aussicht zu genießen. Außerdem sind die Füße trotz zwei paar Socken schon kalt und ich bin mir nicht sicher, wie lange ich durchhalten werde. Das Thermometer zeigt -13°C an und der Wind in der Höhe hat auch nochmal deutlich zugenommen und bläst jetzt mit 80 km/h auf die Schnauze. Angenehm ist es im Cockpit dann, wenn die Sonne herein scheint. Dummerweise ist die Sicht dann noch schlechter und die entgegenkommenden Flugzeuge sind nur schwer zu erkennen. Immer nur an der gleichen Stelle zu fliegen finde ich irgendwann zu langweilig, deshalb versuche ich die Ausdehnung der Welle zu erfliegen und drehe nach Norden ab, mal sehen wie weit es dort geht. Bis Weinheim komme ich, dann drehe ich um, weil ich mich nicht traue noch weiter zu fliegen. Zurück in Heidelberg geht es wieder nach oben, als sich Michael im Funk meldet. Sein Motor ließ sich doch noch überreden anzuspringen und ich sage ihm, wo er Steigen findet. Als nächstes wage ich mich nach Süden bis zum Flugplatz Walldorf und sehe neben mir einen Flieger, der ebenfalls Südkurs eingeschlagen hat. Soll ich mich an den dranhängen und doch noch in den Schwarzwald fliegen? Aber dann verlässt mich doch schnell wieder der Mut und die kalten Füße melden sich auch wieder zu Wort. Michael und ich geben uns öfter unsere Position durch, aber irgendwie treffen wir uns nie.

Nach knapp drei Stunden Flug bin ich so durchgefroren, dass ich den Heimweg antrete. Ich flieg in 2800m ab, da ich schon viele Geschichten gehört habe, wie es manche gegen den Wind trotz ausreichend Höhe nicht mehr nach Hause geschafft haben. Aber ich habe heute keine Probleme und finde eine gute Linie, so dass ich bis Sinsheim nur 1000 Höhenmeter verliere und meinen Flug noch etwas nach Osten ausdehne. Auf Nachfrage am Platz bekomme ich die Rückmeldung, dass der Wind am Boden weiterhin sehr stark ist und teilweise rechtwinklig zum Platz steht. Das deckt sich mit der Anzeige meines Flugrechners und ich mache mich auf eine spannende Landung gefasst. 200 Meter als üblich melde ich mich an der Position und drehe schon früh in den Queranflug, muss ich doch im Endteil noch gegen den Wind ankommen, der immerhin noch mit knapp 40km/h weht. Jetzt weiß ich auch, warum immer alle davon sprechen bei solchen Bedingungen deutliche Fahrtreserven zu haben. Der Nadel auf dem Fahrtmesser macht große Sprünge von über 30 km/h und ich habe damit zu kämpfen, den Flieger gerade zu halten. Blöderweise hat der Wind im Moment meiner Landung wieder auf Nord gedreht und ich muss durch das Lee der Stadt fliegen. So einen Anflug hatte ich noch nie, aber es hilft alles nichts, jetzt muss ich da durch! Kurz darauf setze ich auf, irgendwie habe ich es doch geschafft, den Flieger zu bändigen. Ich bin noch nicht aus dem Cockpit ausgestiegen, steht auch schon Benny mit dem Rückholer bei mir und bringt meinen Flieger und mich zum Hänger. Michael ist noch einige Zeit in der Luft und nach seiner Landung unterhalten wir uns noch über unsere Flüge und die tollen Eindrücke, die wir sammeln können.

Vielen Dank an alle, die mir an dem Tag geholfen haben in die Luft zu kommen. Besonderer Dank geht an Michael, der mich auf das Wetter hingewiesen und zum Fliegen ermutigt hat. Es hat Spaß gemacht, die Saison nochmal ausdehnen zu können. Lediglich die Kälte ist nichts für mich, weshalb das Wellenfliegen und ich wohl nie so richtig Freunde werden. Vielleicht gehe ich nächstes Jahr doch mal in den Süden nach Afrika oder Australien, da soll es gute Thermik geben und warm ist es da auch. Das sind eher meine Bedingungen ;-).

Link zum Bilderblog:
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Text/Bild: Christoph Bechtold

20181123 wellenfliegen

Nachdem sich die Fliegerjugend des FSR Kraichgau e.V. bereits vor dem Beginn der Segelflieger-Saison traf, um das Jahr zu „planen“, trafen wir um am vergangenen Wochenende erneut.
Dieses Mal wurde resümiert, was wir als Einzelner oder als Gruppe erreicht haben, ob im fliegerischen oder im Verein und wir mussten feststellen, dass dieses Jahr doch einiges passiert ist:
Angefangen mit dem Beginn der Saison durch das Osterlager, hinzu unserem Pfingstfliegen mit dem darauffolgenden Pfingstlager in Aalen, anschließend, das von der Jugend organisierte Kinderferienprogramm und BWLV-Jugendlager, 2 neuen Segelflugschein- und einem Motorseglerscheininhaber bis zu unserem persönlichen Highlight, der Taufe unserer ASK 23, welche wir im folgenden Jahr fleißig „befliegen“ werden. Dafür noch mal ein herzliches Dankeschön an die Stadt Sinsheim, welche die Neu-Lackierung finanziell unterstützt und die Taufpatenschaft dieses schönen Seglers angenommen hat.
Aber wer denkt, dass das Leben auf dem Flugplatz bis zum Frühjahr 2019 zum Erliegen gekommen ist, der täuscht sich. Jetzt fängt die Zeit an, in welcher man gesellig in der Klause zusammensitzt, sich um die Flugzeuge kümmert und ganz wichtig, interessante Ausflüge zum Beispiel an den Flughafen Frankfurt oder zum Gipfeltreffen der baden-württembergischen Fliegerjugend unternimmt.
Zum Abschluss bleibt zusagen, trotz der fehlenden Flugzeuge am Himmel, sind wir immer noch aktiv und freuen uns auf nächstes Jahr.

20181110 juegndversammlung

Schön war es wieder an der Fliegernacht in Malsch! Gemeinsam hatten die Jugendlichen aus Walldorf, Malsch und Sinsheim fleißig die Halle der Malscher Fliegerfreunde geschmückt, beleuchtet und die Bar aufgebaut. Am Abend konnten wir so in toller Atmosphäre gemeinsam das Buffet genießen, sowie die von verschiedenen Damen der Piloten vorbereiteten Nachtischvariationen. Vielen Dank an dieser Stelle, es war köstlich!
Zu feiern gab es aber auch, immerhin hatte unsere Selina sich beim 1. Teil des Vergleichsfliegens in Malsch den 3. Platz der Einzelwertung ergattert! Herzlichen Glückwunsch hierzu von uns Sinsheimern! Stark waren in diesem Jahr die Jungpiloten aus Schwetzingen, welche sich den größten Teil der Top-Platzierungen sichern konnten, sowohl in den Einzelwertungen, als auch in der Mannschaftswertung. Das Jugenvergleichsfliegen wird an 2 Terminen im Jahr auf unterschiedlichen Flugplätzen ausgerichtet. Die fliegerische Nachwuchs muss vor den Augen der Jury am Boden eine möglichst perfekte Platzrunde zeigen, Kurvenwechsel und den Flug mit einer Punktlandung „krönen“. Das zu treffende Feld ist allerdings nur wenige Meter groß, jeder weitere Meter wird mit einem Punktabzug quittiert. Wer vor der Landemarkierung, dem „Lande-T“ sitzt, hat leider den Flug komplett auf Null gesetzt.. Da die Flugplätze immer gewechselt werden von Durchgang zu Durchgang, hilft hier leider auch nur ein eventueller Heimvorteil nicht wirklich weiter..
Spontaner Besuch von Ebo Lauer, Klaus Hallmayer und Simone Bürkle rundete den Abend ab und dürfte auch für unsere BWLV-Spitze ein angenehmer Ausklang der Rückreise vom Segelfliegertag gewesen sein. Wir freuen uns schon auf die Fliegernacht 2019! Die Kooperation von Malsch, Walldorf und Sinsheim dürfte auch hier wieder für ein schönes Ambiente sorgen und so den würdigen Rahmen zur Ehrung unserer Nachwuchspiloten bilden.

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Text: FSR Kraichgau

20181111 malsch